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Aus der Tiefe des Raumes von Günter
Was alles in ihn hineingeheimnist wurde: dass er die Ideale der 68er auf dem Fußballplatz umsetze, für den gesellschaftliche Aufbruch stehe und so weiter. Es sei schon erstaunlich, kommentiert Günter Netzer trocken, was man da alles in den Fußball hineininterpretieren kann. Aber vielleicht sei der Fußball gerade deswegen so faszinierend, weil es eine Ebene gibt, die irgendwo hinter dem Ergebnis liegt. Günter Netzer ist eine Projektionsfigur, an der sich die Geister scheiden. Das war schon zu seinen aktiven Zeiten so. Da galt er den einen als Vertreter einer linken Fußballästhetik, während die anderen in ihm einen disziplinlosen Lebemann sahen. Fest steht: Netzer war der erste Langhaarige in der Bundesliga und der erste Popstar Fußballdeutschlands. Einmal bekam er sogar eine Professur angeboten, damals in den wilden Siebzigern; für angewandte, ausübende und praktizierende Kunst, wie sich Günter Netzer amüsiert erinnert. Er verkehrte zwar in Künstlerkreisen, kannte Markus Lüpertz und AR Penck, doch sah Netzer sich weder als politische noch als künstlerische Avantgarde, geschweige denn als Rebell. Er wollte als Fußballer wahr- und ernstgenommen werden und war zunehmend genervt von der andauernden Bewertung des Fußballspielers Günter Netzer vor dem Hintergrund seines Lebensstils. Man erfährt nichts wesentlich Neues aus Günter Netzers Autobiografie, was nicht so schon -- oft pointierter -- in Helmut Böttigers Biografie Günter Netzer. Manager und Rebell gestanden hätte. Von den ersten Bolzversuchen am heimischen Geroweiher über die Stationen Mönchengladbach, Madrid und Zürich wird die aktive Laufbahn abgehandelt, dann die Zeit als HSV-Manager und schließlich der Schritt ins Sportmarketing. Der Grundton des Autors Netzer ist trocken und seine Haltung distanziert. Auch gegenüber dem Gegenstand Netzer selbst. Der analytische dominiert über den szenischen Blick. Vor allem persönliche Dinge werden meist summarisch erzählt. Mit Bewertungen anderer Menschen hält sich der Autobiograf -- anders als der ARD-Kommentator -- Netzer weitgehend zurück. Der vielleicht wichtigste Satz kommt fast beiläufig daher: Wenn ich etwas entscheide, werde ich mich nicht hinterher beschweren, wie furchtbar es ist. Dennoch liegt darin vielleicht der Schlüssel zum Verständnis der Person Günter Netzer. Obwohl er als einer der genialsten Mittelfeldspieler seiner Zeit galt, hat er nur 37 Länderspiele absolviert, war beim größten Triumph seiner Ära, dem WM-Gewinn 1974, faktisch bloß Zaungast -- und hat dennoch nie bereut, dass ihm in seiner aktiven Zeit neben dem Fußball noch andere Dinge wichtig waren: Es ist ein schönes Leben, schließt Netzer. Ich habe es so gewollt. Ich habe alles so gewollt. Ich bin ein Glückspilz. Und das strahlt er auch aus. Vielleicht ist das das ganze Geheimnis.




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